Bezahlen im Land der Banken – mit Bargeld oder mit Karte?

von Luzi Stadler

Ein kleiner Schweizer Weihnachtsmarkt am Zürcher Hauptbahnhof sorgte Ende 2025 für Schlagzeilen. Nach dem Willen der Veranstalter sollte nur noch Kartenzahlung angenommen werden. Doch die Kritik daran war derart stark, dass der Vorschlag binnen kurzer Zeit zurückgezogen wurde. Die Schweizer schätzen offenbar eine liberale Handhabung beim Bezahlen. Am 8. März gibt es jetzt sogar eine Bargeld-Abstimmung. Sie soll die Möglichkeit zur Barzahlung per Verfassung garantieren.

Womit bezahlen die Schweizer am liebsten?

Von einer überdurchschnittlichen Vorliebe für den Umgang mit Bargeld kann übrigens keine Rede sein. Statistisch gesehen ist es so, dass die Nutzung der Bankkarte seit Jahren die bevorzugte Zahlungsmethode in der Schweiz ist. Repräsentative Auswertungen zeigen, dass in rund 30 Prozent der Fälle mit der Debitkarte bezahlt wird. Die Bargeldzahlung folgt auf dem zweiten Platz. Auf den nächsten Plätzen kommen Überweisungen mit Hilfe von Smartphones und ähnlichen Geräten.

Diese Vorteile schätzen die Verbraucher an der Kartenzahlung:

  • Klare Dokumentation der verbuchten Beträge
  • weniger Umgang mit Kleingeld
  • Sperrungsmöglichkeit nach Diebstahl
  • Rückbuchungsmöglichkeit nach Fehlern

Der Handel schätzt Flexibilität beim Bezahlen

Für den Handel hat die Nutzung von Karten praktische Vorteile. Zum einen ist die Kartenzahlung mit einem professionellen Kartenlesegerät schnell erledigt und es kommt zu weniger Problemen durch Rechenfehler. Außerdem bietet die Kartenzahlung sicherheitstechnische Pluspunkte. So müssen keine großen Geldsummen vor Ort gelagert und gesichert werden. Die Beschaffung von genügend Kleingeld zum ständigen Wechseln ist nicht mehr notwendig. Gerade wer nicht täglich im Verkauf unterwegs ist, profitiert von der Kartenbuchung.

Warum die Schweizer trotz alledem auf eine Bezahlungsmöglichkeit mit Bargeld bestehen? Weil man einen liberalen Umgang mit Geld schätzt und sich keine Möglichkeiten verbieten lassen möchte. Immerhin folgt die Barzahlung auf Platz zwei der meistgenutzten Zahlungsmethoden. Und was den öffentlichen Verkauf von kleineren Waren und das Bezahlen von Dienstleistungen betrifft, kann man die Argumentation der Standbesitzer vom Zürcher Weihnachtsmarkt verstehen. Viele verwiesen darauf, dass der Glühwein eine kleine Summe für einen Glühwein oder ein Essen doch lieber in bar als mit Karte bezahlt wird. Sie fürchten im Fall einer kompletten Umstellung auf Kartenzahlung erhebliche Einbußen.

Verbraucher sollen selbst entscheiden dürfen

Vorstöße für eine Pflicht zur Kartenzahlung gibt es regelmäßig. Sie kommen nicht nur in der Schweiz. Meist ist es der Staat, der die Beschränkung auf Kartenzahlung im Verkauf und im Dienstleistungsbereich schätzen würde. Wo alles über die Karte läuft und der Zahlungsverkehr haarklein dokumentiert wird, sinkt das Risiko für Steuerhinterziehung. Wirklich durchsetzen kann sich eine solche Beschränkung aber selten. Zum einen ist allen klar, dass eine Auswahl an verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten Türen für mehr zahlende Kunden öffnet. Zum anderen unterstützt eine Barzahlungsmöglichkeit an vielen Stellen die soziale Teilhabe.

Welche Zahlungsart man nutzen möchte, sollte dem Kunden überlassen bleiben. Das dürfte in der Schweiz in Zukunft bleiben. Vor dem Hintergrund dürften die meisten Schweizer der kommenden Bargeld-Abstimmung mit Gelassenheit entgegensehen. Der Bundesrat geht laut Erklärung davon aus, dass es unabhängig vom Abstimmungsergebnis immer Barzahlungsmöglichkeiten geben wird.

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